Das von der EU geförderte Projekt Metamorphosis setzt sich zum Ziel, Stadtviertel zu verändern und dabei vor allem im Sinne von Nachhaltigkeit auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Der Erfolg eines öffentlichen Platzes könne daran gemessen werden, ob er von vielen Kindern und Jugendlichen besucht und genutzt wird, so die Initiatoren. Anvisiert werden strukturelle Verbesserungen wie die Verwandlung von auto-orientierten zu kinder-orientierten Zonen oder die Erhöhung der Mobilität der Kinder, mit denen auch eine positive Umdeutung von Wohn- und Lebensräumen einhergehen kann. Derzeit beteiligen sich sieben europäische Städte an diesem Forschungs- und Praxisvorhaben. Lupo Burtscher ist – gemeinsam mit der Architektin Monica Carmen, der Journalistin Katia De Gennaro und dem Projektleiter Philip Kleewein – in beratender und gestaltender Funktion für den Projektpartner Meran tätig.

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Temporäre Skate-Rampe auf dem Brunnenplatz in Obermais

Für den Stadtteil Obermais haben wir gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen und in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendtreff Obermais eine Skate-Rampe auf dem Brunnenplatz realisiert. Der Platz wurde für mehr als eine Woche zur öffentlichen Baustelle. Die Idee war einige Monate zuvor in einem Vision-Building-Workshop mit Erwachsenen und Kindern entstanden. Die Kinder und Jugendliche des Stadtviertels wünschen sich seit jeher eine Skate-Rampe für ihr Stadtviertel.

Für den Bau der Skate-Rampe brauchten wir so viel helfende Hände wie möglich und es unterstützten uns zwei gambische Tischler aus dem Flüchtlingshaus in Meran. Einer hat bei der Eröffnungsfeier mit einem traditionellen afrikanischen Tanz beigetragen. Es war spannend, die Gleichzeitigkeit der afrikanischen Rhythmen, der Zuckerwatte, der Disko-Musik und der Präsenz der Bewohner*innen des Viertels zu beobachten. Die Integration verschiedener Kulturen und Generationen im öffentlichen Raum hat die Wahrnehmung des Platzes verändert und Ausdrucksformen und Rituale verschiedener Kulturen sind aufeinander getroffen. Für einen Moment hat sich das Bild des Brunnenplatzes grundlegend verändert.

Normalerweise besetzen – trotz eines Parkverbots – Autos den Platz. Mit unserer Installation haben wir versucht zu verstehen, ob trotz der Rampe, die sofort zu einem wichtigen Spiel- und Treffpunkt geworden war, die Autos um den Platz herum parken würden. Ja, das taten sie – aber gleichzeitig wurde der Nachbarschaft und vor allem den Kindern und Jugendlichen bewusst, dass der Brunnenplatz viele verschiedene Qualitäten bietet: er kann ein Ort der Begegnung sein und zu einem Freiluftspielplatz werden.

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Parkour, Sinich

Wie kann der Stadtraum als solcher mit seinen architektonischen Elementen, seinen Wegen, Mauern, Häusern, Grünflächen usw. direkt und körperlich erfahrbar werden? Parkour kann darauf eine Antwort geben. Dieser Sport, vor allem in urbanen Räumen ausgeübt, sucht kreative Wege von A nach B, und nutzt dabei „Hindernisse“ wie Treppen, Geländer oder Wände geschickt für sich.

In der Grünanlage der IPES-Wohnungen im Stadtviertel Sinich in Meran wurde ein Workshop für Kinder abgehalten, der Grundlegendes zum Thema Parkour vermittelte. Gemeinsam wurden zudem städtische Elemente und Flächen wie Treppen, Steine in den Grünflächen und kleine Mauern mit Farben bunt bemalt und gekennzeichnet. Dadurch laden sie nicht nur zur Nutzung im Sinne von Parkour ein, sondern generell wird deren Wahrnehmung zum Positiven verändert.

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Pedibus Haltestellen, Wolkenstein

Der Pedibus ist ein „Bus zu Fuß“ in die Schule, der ordnungsgemäß mit Haltestellen bestückt ist und von einem „nonno vigile“ (Schülerlotse) begleitet wird. Dadurch soll der Autoverkehr in Meran reduziert werden und die Kinder nicht mehr mit dem Auto in die Schule gebracht werden.
Als Kommunikationsstrategie hat Metamorphosis das Potenzial des Schulweges, das gemeinsame Gehen der Kinder sowie das Erleben der Stadt in den Vordergrund gerückt. Wir haben gemeinsam mit den Kindern in einem zweiwöchigen Workshop sieben Haltestellen im urbanen Raum mit einer Beschreibungstafel und Hüpfspielen ausgestattet. Eine klare Kennzeichnung der Haltestellen und die Realisierung von Hüpfspielen für die Wartezeiten fördern eine verbesserte Wahrnehmung dieses Dienstes im Stadtraum.

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Vigilius Lab, Vigilplatz, Untermais

Was wünschen sich Kinder in ihrer Nachbarschaft? Mit Hilfe künstlerischer Mittel wie Zeichnen, Fotografie, Fotomontagen und Interviews wurde über fünf Tage und in enger Zusammenarbeit mit UPAD Meran eine Analyse der gegebenen Situation durchgeführt. Die Kinder entwickelten Ideen, wie sie den öffentlichen Raum in ihrer Nachbarschaft anders nutzen und in Orte der Begegnung und des Spiels verwandeln können. Drei Ideen wurden ausgewählt und mit Kartonmodellen skizziert: eine Bühne für Veranstaltungen im öffentlichen Raum, eine überdimensionale Kletterstruktur sowie eine multifunktionale, mobile Struktur auf Rädern, die man vielseitig bespielen kann z.B. zum Pizza backen und verkaufen, für einen Tauschmarkt, als Fahrradwerkstatt oder als Bühne. Die Struktur wurde schließlich umgesetzt. Im Jahr 2019 nutzten wir sie für drei verschiedene Veranstaltungen: eine Spielzeugbörse, die Gestaltung eines Vigilius-Raps im Zuge eines Workshops und eine Knödelkochstunde im öffentlichen Raum.

Für die Komposition des Vigilius-Raps luden wir den Musiker und Songswriter Matteo Jamuno und die Theater-Expertin Alessandra Podestà ein. Eine Woche lang diskutierten wir mit den Kindern in einem Open-Air-Labor darüber, was es bedeutet, stark zu sein, was es bedeutet, weise zu sein und was es bedeutet, Mut zu haben. Der öffentliche Raum des Vigilplatzes wurde durch Holztafeln und Tischen in Plattformen verwandelt und die Kinder bauten ihre Instrumente, um gegen ihre Ängste zu kämpfen und um stark und weise zu sein. Zuerst diskutierten und tauschten wir gemeinsam Geschichten aus. In einem zweiten Schritt schrieb Matteo Jamuno zusammen mit den Kindern einen sehr persönlichen Text über sie selbst, welchen sie in einem Abschlusskonzert präsentierten.

Die Besetzung und Nutzung des öffentlichen Raums, die Schaffung von Situationen des sozialen Austauschs und Zusammenhalts sowie die individuelle und kollektive Befähigung der Kinder spielten in diesem Projekt eine wichtige Rolle.

Kunde

Gemeinde Meran

Jahr

2018-ongoing

Projektteam

Angelika Burtscher, Monica Carmen, Katia De Gennaro, Philip Kleewein, Daniele Lupo

Zusammenarbeit

Jugendtreff Obermais, Flüchtlingshaus Arnika, Zentrum für Menschen mit Behinderung “Pastor Angelicus”, UPAD Meran, Stadtviertelrat Vigilplatz, Stadtviertelrat Obermais, Grundschule Wolkenstein, Scuola Elementare Galilei, TILT Centro Giovani, IPES Merano